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Berührung
Das Papierobjekt, liegt da wie eine abgestreifte Haut einer Schlange, die sich gerade gehäutet hat. Allein die Form ist verstörend weist diese leere Hülle eindeutig menschliche Gestalt auf. Nun ist die Art der körperlichen Verjüngung unserer Spezie eher ungewöhnlich, muß es doch als Allegorie für einen geistigen Prozess gesehen werden. Auch Menschen streifen bisweilen ihre alte Haut ab, verändern sich, beginnen einen neuen Lebensabschnitt, wechseln ihre Identität. Das frühere Leben als zurückgelassenes Gehäuse bildhaft geworden rührt seltsam an.
Nürnberger Nachrichten 2007

Darum ist Kunst dort wo uns Kunst ergreift (Josef Albers)

„Kunst kann aber erst dann – ergreifen -, wenn sie beim Betrachter etwas auslöst, ihn berührt. – Kunst vorerst nicht zum Ansehen, denn Kunst sieht uns an – führt Josef Albers fort und meint damit, dass der erste Impuls von der Kunst ausgehen muss.
Die Kunst von Claudia Seibel berührt. Ihre Bilder sind nicht für einen flüchtigen Augenblick geschaffen, vielmehr laden sie zum Verweilen ein. Besonders die Darstellungen der poetisch-sakralen Themen mit ihrer zeichenhaften Bildersprache sind unmittelbar – bewusst auf das Wesentliche reduziert. Der Betrachter spürt hier einen Moment der Stille. Die Figuren sind von dunklen Linien zart aber bestimmt umhüllt, tauchen vom Dunkeln ins Licht aus verschiedenen Farbschichten heraus auf und bleiben dennoch meist hinter einem letzten Farbschleier verborgen. Die aufgebrochenen Farbflächen und linearen Strukturen an der Bildoberfläche vermitteln dem Betrachter Transparenz und Tiefe, aber auch Lebendigkeit und Stärke.
Die Künstlerin schafft es mit größtmöglicher Einfachheit Empfindungen von Landschaften, die Vielfältigkeit des Lebens und die Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Geborgenheit auszudrücken.
In ihren Bildern gelingt es Claudia Seibel-Goller das Unsichtbare sichtbar zu machen.“
Martina Ruppert, Vorwort, in: Seibel- SeelenRäume, 2003, o. S.

Die Künstlervereinigung Gedok zeigt plastische Momentaufnahme des Schaffens von Frauen
Rothenburg- am kommenden Sonntag geht die Ausstellung der traditionsreichen Künstler-Vereinigung Gedok in Rothenburg zu Ende.
Die „Momentaufnahmen“ so der Titel, versteht sich als ausdrucksstarke Präsentation der Kunst von Frauen. Diesen Anspruch löst die üppige Sammlung (Werke vo 35 Künstlerinnen) durchaus ein. Eine leere gilbende Hülle in Menschenform, dünnes Wachs in Auflösung begriffen, liegt zurückgelassen auf torfiger Erde. Ist es eine moderne Variation des Vergänglichkeitsmotiv? Oder gemahnt das eigenartig, berührende Kunstwerk weniger an den Tod, als man auf den ersten Blick meinen könnte.Inzeniert es vielmehr die Spur eines Neugeborenseins, das die Künstlichkeit abgestreift hat?
Claudia Seibels: die Häutung ist das spektakulärste und zugleich eines der feinschichtigsten Stücke der Ausstellung. Ihren Reiz gewinnt sie bei weitem nicht nur aus der stilisierten Vielfalt, sondern vorallem aus dem unangestrengten Miteinander von Begrifflichkeit und Hintersinn.
Markfränkische Zeitung 2007

Der Zeit Raum geben
Die Bilder von Claudia Seibel gleichen einer Pilgerreise durch unsere Zeit.
Sie vermitteln dem Betrachter das subjektiv empfundene Zeitgefühl der Künstlerin und lassen den Augenblick durch die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Lebensräume schweben.
Sehnsüchte und Empfindungen versinnbildlichen sich. Das Aufblühen und Verwelken. Das Lebendige in seinen verschiedenen Formen und Farben und die Vergänglichkeit stehen losgelöst von allen irdischen Bimdungen für sich selbst. Landschaftliche Ereignisse aus der Vergangenheit und Zukunft steigern ihre Spannung durch pulsierende Farbigkeit und erscheinen im selben Augenblick durch akzentuierte, feine Linienführung und Lichtreflexen sanft und gleichsam leidenschaftlich. Auf dem Weg durch Raum und Zeit werden uns die poetischen AugenBlicke von Claudia Seibel, in denen Natur und Mensch miteinander verschmelzen sicherlich noch lange begleiten und immer wieder aus dem Unsichtbaren sichtbar werden.
Martina Ruppert M.A. 2008